KVH, BSH, Konstruktionsvollholz: Unterschiede, Anwendung, Preis

Wenn du das erste Mal vor einem Baumarkt-Regal mit Konstruktionsholz stehst oder dir ein Statiker einen Balken empfiehlt, fallen drei Begriffe immer wieder: KVH, BSH und Konstruktionsvollholz. Klingt ähnlich, ist aber dreierlei. Wer den Unterschied versteht, baut günstiger, sicherer und langlebiger. Wer ihn nicht versteht, kauft das falsche Holz und merkt es Jahre später am Verzug oder an der Bauabnahme.

Wir verkaufen Konstruktionsholz seit über zwanzig Jahren an Zimmerer, Architekten und Selbstbauer. In diesem Artikel zeigen wir dir, was die drei Holzklassen wirklich auszeichnet, was sie kosten und welche zu welchem Bauvorhaben passt.

Konstruktionsvollholz, der Klassiker

Konstruktionsvollholz, kurz KVH, ist das einfachste der drei. Es besteht aus einem einzigen Balken, technisch getrocknet auf 15 Prozent Holzfeuchte plus minus drei Prozent. Diese kontrollierte Trocknung macht KVH formstabil und reduziert Risse, Schimmel und Verzug. KVH wird als sichtbares oder nicht sichtbares Bauholz angeboten, wobei die sichtbare Variante höhere optische Anforderungen erfüllt.

Was du kaufst, wenn du KVH nimmst: ein massiver Balken aus Fichte oder Tanne, gehobelt, gefast, sortiert. Standardquerschnitte sind 60 mal 120, 80 mal 160, 100 mal 200 mm und größer. Längen bis 13 Meter sind Standard.

Wofür eignet sich KVH?

  • Sparren und Pfetten im Dachstuhl
  • Wandständer im Holzrahmenbau
  • Fußschwellen und Rähme
  • Sichtbare Tragwerke in Wohnräumen
  • Carports und Vordächer

Mehr in unserer KVH-Auswahl.

Brettschichtholz, das Hochleistungsbauteil

Brettschichtholz, kurz BSH oder Leimbinder, ist eine andere Liga. Es besteht aus mehreren Lamellen, also dünnen Brettern, die kreuzweise verleimt und unter Druck zu einem Balken verpresst werden. Durch diesen Aufbau erreicht BSH eine deutlich höhere Tragfähigkeit als ein gleicher Querschnitt aus KVH und ist quasi rissfrei.

BSH wird in zwei Hauptklassen produziert: GL24h (homogen) und GL28c (kombiniert). GL28c ist tragfähiger und teurer, GL24h reicht für die meisten privaten Bauvorhaben. Längen bis 30 Meter und Querschnitte bis 240 mal 1.500 mm sind möglich.

Wofür eignet sich BSH?

  • Weitspannige Tragwerke (Hallen, große Räume)
  • Pfetten über große Spannweiten
  • Architektonisch sichtbare Träger
  • Pergolen mit großen Öffnungen
  • Carports mit langen Stützweiten

Verfügbar als Brettschichtholz.

Duo- und Trio-Balken, der Mittelweg

Duo- und Trio-Balken sind aus zwei oder drei längs verleimten KVH-Stücken hergestellt. Sie kombinieren die Vorteile von KVH (heimisches Holz, einfacher Aufbau) mit besserer Formstabilität als reines KVH. Optisch wirken sie wie ein einziger Balken mit dezenten Leimfugen.

Duo- und Trio-Balken sind eine gute Wahl, wenn du sichtbare Querschnitte möchtest, die größer sind als KVH es liefert, aber kein BSH brauchst. Im Privatbau kommen sie oft bei Pergolen, sichtbaren Dachstühlen und Veranden zum Einsatz.

Direkter Vergleich der drei Klassen

Eigenschaft KVH Duo/Trio BSH
Aufbau Einzelbalken 2-3 verleimte Stücke Vielschichtige Lamellen
Formstabilität gut sehr gut exzellent
Risse möglich selten praktisch keine
Tragfähigkeit (Standard) C24 C24 GL24h bis GL32c
Maximal Länge 13 m 13 m 30 m
Maximal Querschnitt 240 x 360 mm 240 x 360 mm 240 x 1.500 mm
Preis pro Kubikmeter günstig mittel höher
Anwendung Standard-Bauteil Sichtbare Konstruktion Hochleistung, Spannweiten

Was kostet Konstruktionsholz pro Kubikmeter?

Realistische Marktpreise pro Kubikmeter, Stand aktuell:

Holzklasse Preis pro m³
KVH nicht sichtbar 500 bis 700 €
KVH sichtbar (Si) 650 bis 850 €
Duo-/Trio-Balken 700 bis 950 €
BSH GL24h 700 bis 1.000 €
BSH GL28c sichtbar 900 bis 1.300 €

Die Preisspanne kommt durch Querschnitt, Länge, Sortierung und aktuelle Holzmarktlage zustande. Für ein Einfamilienhaus mit Holzdach (z.B. 6 mal 8 Meter Grundfläche, Sparren als KVH) brauchst du grob 2,5 bis 4 m³ Konstruktionsholz, also 1.500 bis 3.000 Euro Material.

Welche Norm gilt für Konstruktionsholz?

Drei Normen sind im deutschen Holzbau relevant:

  • DIN 4074-1: Sortierung von Bauholz nach Tragfähigkeit. Hier sind die Klassen S7, S10, S13 definiert.
  • DIN EN 14081: CE-Kennzeichnung für tragendes Bauholz. Pflicht für jeden Verkauf.
  • DIN EN 14080: Speziell für BSH und Duo-Trio-Balken.

Wenn du KVH oder BSH kaufst, achte auf das CE-Zeichen und die Zertifizierung. Holz ohne CE-Kennzeichnung darf in Deutschland nicht für tragende Konstruktionen verwendet werden.

Welche Holzart steckt drin?

Standard ist Fichte oder Tanne. Beides europäische Nadelhölzer mit guter Verfügbarkeit, akzeptabler Tragfähigkeit und mittlerem Preis. Lärche und Douglasie sind möglich, aber teurer. Bei BSH wird oft Fichte aus zertifizierten Forsten Mitteleuropas verwendet.

Hartholz-KVH (z.B. Buche oder Eiche) gibt es auch, kostet aber das Drei- bis Fünffache und wird nur in Spezialfällen (Brücken, Schwerlast) eingesetzt.

Häufige Fragen zu KVH und BSH

Wann reicht KVH, wann brauche ich BSH?

Spannweiten bis 6 Meter und normale Wohnhauslasten: KVH reicht. Spannweiten über 6 Meter, oder wenn die Optik makellos sein muss: BSH.

Kann ich KVH selbst verleimen?

Nein. Die Verleimung von tragendem Holz ist normativ geregelt und nur in zertifizierten Werken zulässig. Selbst verleimtes Holz ist baurechtlich kein Konstruktionsholz.

Schützt KVH gegen Insekten?

Nicht von Natur aus, aber durch die Trocknung auf 15 Prozent ist es deutlich weniger anfällig als nicht getrocknetes Bauholz. Bei sichtbaren Außenkonstruktionen empfiehlt sich zusätzliche Imprägnierung oder ein Lasur-Anstrich.

Wie wird BSH transportiert und verarbeitet?

BSH-Lamellen sind grob ähnlich zu verarbeiten wie KVH (sägen, bohren, schrauben), aber durch die schiere Länge und Größe brauchst du oft Kran und mehrere Helfer. Plane das in deine Bauzeit ein.

Welche Sortierung sollte ich wählen?

Für nicht sichtbare Konstruktionen reicht S10 oder die Standardklasse. Für sichtbare Tragwerke (z.B. offene Dachstühle in der Wohnstube) wählst du Si-Sortierung mit besserer Optik.

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