Carport selber bauen: Holz, Pfosten, Genehmigung pro Bundesland

Ein Carport ist eines der dankbarsten Holzbauprojekte für ambitionierte Selbstbauer. Du brauchst keinen Statiker für Standardgrößen, kommst meist ohne Baugenehmigung aus und sparst gegenüber dem Fachbetrieb mehrere tausend Euro. Aber: ein Carport, der nicht hält oder die Bauordnung verletzt, wird teuer. In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du sauber planst, baust und genehmigt bekommst, was nötig ist.

Vorabklärung: Genehmigung pro Bundesland

Carports sind in fast allen Bundesländern bis zu einer bestimmten Größe verfahrensfrei, also genehmigungsfrei. Die genauen Schwellen unterscheiden sich aber. Eine grobe Übersicht:

Bundesland Genehmigungsfrei bis Anmerkung
Bayern 50 m² Nutzfläche max. 3 m Wandhöhe
Baden-Württemberg 30 m² Grundfläche max. 3 m mittlere Wandhöhe
NRW 30 m² Grundfläche im bebauten Bereich
Niedersachsen 30 m² 30 cm Grenzabstand
Hessen 50 m² max. 3 m Höhe
Brandenburg 50 m² nicht im Außenbereich
Rheinland-Pfalz 50 m² verfahrensfrei nach LBO
Saarland 36 m² verfahrensfrei nach LBO
Sachsen 50 m² im bebauten Bereich
Schleswig-Holstein 50 m² verfahrensfrei
Thüringen 40 m² verfahrensfrei

Auch wenn dein Carport unter die genehmigungsfreie Größe fällt: der Bebauungsplan deiner Gemeinde kann strenger sein. Lokale Vorschriften zu Material, Farbe, Dachform sind möglich. Ein Anruf beim Bauamt vor Bestellung kostet nichts und erspart Ärger.

Die Carport-Maße im Privatbau

Standardgrößen orientieren sich an der Anzahl Stellplätze:

  • Einzelcarport: 3 m breit, 5 m tief, lichte Höhe 2,20 m. 15 m² Grundfläche.
  • Doppelcarport: 5,50 bis 6 m breit, 5 m tief. 28-30 m² Grundfläche.
  • Carport mit Anbau (Geräte): 4 bis 5 m breit, 6 bis 7 m tief.

Die lichte Höhe sollte mindestens 2,20 m sein, besser 2,40 m, damit auch SUVs oder Wohnmobile reinpassen.

Welches Holz für den Carport?

Bauteil Empfohlene Holzklasse Anmerkung
Pfosten KVH oder Duo-Balken 120 x 120 mm Querschnitt
Pfetten (Längsträger) BSH oder KVH-Si oft sichtbar, Optik wichtig
Sparren KVH 60 x 120 mm Standard
Dachschalung Rauspund-Bretter oder OSB für Bitumen-Dach
Holzart Fichte/Tanne (Standard) Lärche/Douglasie für Sichtflächen

Sichtbare Bauteile (Pfosten, Pfetten, Sparrenuntersicht) lieber Lärche oder Douglasie. Versteckte Bauteile reichen Fichte/Tanne KVH. Mehr in unserer Holzbau-Auswahl.

Schritt für Schritt: Carport bauen

1. Fundament für die Pfosten

Für jeden Pfosten gräbst du ein Loch, mindestens 80 cm tief und 30 bis 40 cm breit. Bei frostgefährdeten Lagen 100 cm. Untere 10 cm Schotter für Drainage einbringen, danach H-Anker einbetonieren mit Schnellbeton.

Wichtig: H-Anker auf gleicher Höhe ausrichten, mit Wasserwaage und Richtschnur. Wenn ein Anker nur 1 cm zu hoch sitzt, wird der Carport später schief.

2. Pfosten setzen

Pfosten 120 mal 120 mm KVH in die ausgehärteten H-Anker stellen. Mit Edelstahl-Bolzen verschrauben (mindestens M10, oft M12). Pfostenoberkanten exakt waagerecht ausrichten.

3. Pfetten als Längsträger auflegen

Die zwei Pfetten verlaufen in Längsrichtung über den Pfosten. Querschnitt typischerweise 100 mal 200 mm KVH oder GL24h-BSH bei größeren Carports. Aufgesetzt und mit Stahlwinkeln (z.B. Knagge oder Pfosten-Pfetten-Verbinder) am Pfosten verschraubt.

4. Sparren auflegen und befestigen

Sparren 60 mal 120 mm KVH im Abstand von 70 bis 80 cm auf die Pfetten legen. Mit Sparrenpfettenanker oder durch Verschraubung von oben fixieren. Gefälle mindestens 5 Grad einplanen, damit Wasser ablaufen kann.

5. Dachschalung und Eindeckung

Drei gängige Optionen:

  • Bitumenwellplatten: günstig, einfach, optisch eher nüchtern
  • Trapezblech: langlebig, modern, manchmal laut bei Regen
  • EPDM-Folie auf OSB: hochwertig, wartungsarm, höchster Preis

Auf Wunsch auch Begrünung (extensiv) als ökologisch und optisch reizvolle Variante.

6. Seitliche Verkleidung (optional)

Viele Carports bekommen eine Rückwand und Seitenverkleidung als Wind- und Sichtschutz. Beliebt sind Rhombusleisten oder waagerechte Stulpschalung in Lärche oder Douglasie. Hinterlüftung von 20 mm zur Rahmenkonstruktion einplanen.

Was kostet ein selbstgebauter Holz-Carport?

Carport-Typ Material-Eigenbau Fachbetrieb komplett
Einzelcarport ohne Verkleidung 1.500 bis 2.500 € 4.000 bis 6.000 €
Einzelcarport mit Rückwand 2.000 bis 3.500 € 5.000 bis 8.000 €
Doppelcarport ohne Verkleidung 3.000 bis 4.500 € 7.000 bis 12.000 €
Doppelcarport mit Lärche-Verkleidung 4.500 bis 7.000 € 10.000 bis 18.000 €

Im Eigenbau sparst du 50 bis 65 Prozent. Plane für einen Doppelcarport realistisch 4 bis 6 ganze Arbeitstage Bauzeit (zu zweit), abhängig von Erfahrung.

Werkzeug-Liste

  • Erdbohrer für Pfostenlöcher
  • Wasserwaage 2 Meter
  • Richtschnur und Pflöcke
  • Akkuschrauber mit Torx- und Bit-Sortiment
  • Bohrmaschine mit Holzbohrern
  • Handkreissäge oder Stichsäge
  • Hammer und Maulschlüssel
  • Leiter (mind. 3 m)
  • Optional: Laser-Wasserwaage für lange Strecken

Häufige Fehler beim Carportbau

Pfosten nicht senkrecht

Die häufigste Schwachstelle. Wenn ein Pfosten nur 5 mm aus dem Lot steht, summiert sich das über 2,40 m Höhe sichtbar. Doppelt prüfen, lieber drei statt zwei Mal.

Falsches Dachgefälle

Unter 3 Grad steht das Wasser, das fördert Algen und Holzfäule. Mindestens 5 Grad, besser 7 bis 10 Grad. Bei Bitumendächern reicht weniger, bei Folien-Flachdach mehr.

Holz im Bodenkontakt

Wenn der Pfostenfuß direkt auf Erde oder Beton steht, fault er innerhalb von 10 Jahren. Immer mit H-Anker arbeiten, mindestens 5 cm Luft zur Bodenoberkante.

Verzinkte statt Edelstahl-Schrauben

Bei Lärche und Douglasie hinterlassen verzinkte Schrauben innerhalb weniger Monate hässliche Rost-Tränen. Edelstahl A2 ist Standard, in Küstennähe A4.

Häufige Fragen zum Carportbau

Brauche ich einen Statiker?

Für Standard-Größen (Doppelcarport bis 30 m² mit Standard-Schneelastzone) reichen die statischen Tabellen aus der DIN 1055. Bei Sondermaßen oder hohen Schneelasten Statiker nötig.

Kann ich den Carport an die Hausmauer anbauen?

Ja, mit Anker an die Hauswand. Spart einen Pfosten und schafft eine geschützte Ecke. Aber: Brandschutz bei Reihenhäusern und Doppelhaushälften prüfen.

Welche Schneelast gilt bei mir?

Schneelastzonen sind in DIN 1055-5 geregelt. Norddeutschland meist Zone 1, Mittelgebirge Zone 2, Alpen Zone 3 und höher. Online-Karten zeigen die Zone für deine Postleitzahl.

Wie lange hält ein Holz-Carport?

Bei Lärche oder Douglasie und sauberer Verarbeitung 30 bis 50 Jahre. Bei imprägnierter Kiefer 20 bis 30 Jahre. Pflegeaufwand: alle 4 bis 6 Jahre Sichtprüfung, ggf. Holzbeschichtung erneuern.

Was kostet die Statik vom Profi?

Eine Statik für einen Standard-Carport kostet beim Statiker 300 bis 600 Euro. Wenn das Bauamt eine verlangt, ist das Pflicht.

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